XI KANT KONGRESS, XI Congresso Kantiano Internazionale

Die Tugend der Aufrichtigkeit und ihre Bedeutung für Kants Begriff der Philosophie

Beatrix Himmelmann

Edificio: Palazzo dei Congressi
Sala: sala Newton
Data: 24 maggio 2010 - 14:30
Ultima modifica: 13 aprile 2010

Abstract

Nicht nur in Kants Schriften zur Ethik wird die Tugendpflicht der Aufrichtigkeit hervorgehoben. Tugend bedeutet im Kantischen Verständnis eine „moralische Stärke des Willens“, den aus Selbstliebe geborenen Hindernissen der Wirksamkeit der Vernunft und ihrer Gebote entgegenzutreten. Einen Hauptquell des Bösen im Menschen sieht Kant nicht von ungefähr in einer „Denkungsart“, welche die Maßstäblichkeit der Vernunft und ihrer Grundsätze dadurch aufzuweichen sucht, dass sie diese im Bedarfsfall den Begehrlichkeiten der Selbstliebe anpasst. Sich selbst auf solche Weise „blauen Dunst vorzumachen“ – eine Neigung, die sich zu einer anhaltenden „Verstimmung“ unserer Urteilskraft verfestigen und zur Täuschung Anderer erweitern kann, nennt Kant den „faulen Fleck unserer Gattung“.

In meinen Überlegungen möchte ich zeigen, dass die Forderung nach Aufrichtigkeit oder Lauterkeit eine entscheidende Voraussetzung des Kantischen Unternehmens der kritischen Philosophie bildet. Und Kants Ansatz ist und bleibt aktuell: trotz aller ideologiekritschen Vorbehalte und trotz der von Kant selbst gelegentlich geäußerten Skepsis, ob die aufrichtig betriebene Selbstprüfung je einem Menschen gelungen sei.