XI KANT KONGRESS, XI Congresso Kantiano Internazionale

"Dass ich bin." Zum Begriff des reinen Existenzbewusstseins bei Kant

Dietmar Heidemann

Edificio: Palazzo dei Congressi
Sala: sala Fermi
Data: 23 maggio 2010 - 14:30
Ultima modifica: 12 aprile 2010

Abstract

Kant behauptet, in der transzendentalen Einheit der Apperzeption bin ich mir meiner bewusst, "nicht wie ich mir erscheine, noch wie ich an mir selbst bin, sondern nur daß ich bin“ (KrV B 157). Die Kantischen Erläuterungen zum reinen Bewusstsein "daß ich bin“ sind ambigue. Auf der einen Seite geht nicht zuletzt aus seiner Descartes-Kritik hervor, dass wir ein solches reines Bewusstsein unserer Existenz nicht haben und dieses schon gar nicht a priori erkennen können. Auf der anderen Seite beschreibt Kant die "reine Apperzeption in der Vorstellung: Ich bin" (KrV B 138) auch als "unbestimmte Wahrnehmung". Dabei drückt der Satz "Ich denke", indem er den Satz "Ich existiere" analytisch in sich enthält, das zugleich präempirische wie präkategoriale Bewusstsein meiner eigenen Existenz aus. Als solchem kommme ihm eine positive erkenntnistheoretische Funktion zu (KrV B 422-423). In dem Vortrag geht es um die Frage, ob Kant angesichts dieser scheinbar konfligierenden Bestimmungen einen kohärenten Begriff des Bewusstseins "dass ich bin" hat. Im Zentrum steht das Problem des epistemischen Zugangs zur eigenen Existenz, den Kant sowohl als diskursiv als auch als intuitiv ansieht. Sollte sich der Zugang zum reinen Bewusstsein unseres Daseins als intuitiv erweisen, so dürfte sich die Kantische Auffassung, der Cartesische Schluss vom "Ich denke" auf das "Ich bin" sei analytisch, nicht aufrecht erhalten lassen.