XI KANT KONGRESS, XI Congresso Kantiano Internazionale

Über das Recht, aus Menschenliebe zu lügen

Mario Brandhorst

Edificio: Palazzo dei Congressi
Sala: sala Rousseau
Data: 25 maggio 2010 - 17:00
Ultima modifica: 13 aprile 2010

Abstract

Der Aufsatz untersucht die Argumentation Kants zum Lügenverbot in dessen Spätschrift „Über ein vermeintes Recht, aus Menschenliebe zu lügen“. Oft wird die Auffassung vertreten, Kant sei zur Zeit der Tugendlehre vom moralischen Rigorismus der Grundlegung abgerückt. Wie die Tugendlehre zeige, habe Kant ein freier abwägendes Urteil im Hinblick auf den Einzelfall erlaubt und dessen Wichtigkeit sogar betont. Diese Auffassung verträgt sich jedoch nicht leicht mit der Argumentation des Aufsatzes von 1797, dem Erscheinungsjahr der Tugendlehre. Andere, Kant nicht weniger wohlgesonnene Leser verwerfen den Aufsatz als Ausdruck eines Altersstarrsinns, aus dem man nicht leichtfertig auf Kants reife Ethikkonzeption schließen dürfe. Tatsächlich zeigt der Aufsatz etwas sehr Wichtiges über Kants Ethik und ihre Motivationen, das sich nicht ohne weiteres von Kants Ethikkonzeption trennen lässt. Er wirft in dieser Weise auch ein interessantes Licht auf die Frage, warum diese Konzeption scheitert.