XI KANT KONGRESS, XI Congresso Kantiano Internazionale

Kants „Galgen“-Beispiel und seine empiristische Verurteilung. Eine kurze Skizze zum Begriff der „Erfahrung“ in der kritischen Moralphilosophie

Thomas Wyrwich

Edificio: Palazzo dei Congressi
Sala: sala Torricelli
Data: 23 maggio 2010 - 14:30
Ultima modifica: 13 aprile 2010

Abstract

Was Kant mit dem „Faktum der reinen Vernunft“ genau gemeint hat, ist bis heute höchst umstritten. Zudem schickt er seiner Erläuterung dieses „Faktums“ im § 6 der "Kritik der praktischen Vernunft" das berühmte und zugleich berüchtigte „Galgen“-Beispiel voran, in dem sich auch der Schluss vom „Sollen“ auf das „Können“ findet. Gegenstand meines Vortrags ist nun eine genaue Betrachtung dieses Beispiels und der möglichen Absichten, die Kant mit ihm verfolgt hat. Im ersten Teil werde ich den entsprechenden Textabschnitt genauer in Augeschein nehmen und im Zuge dessen zugleich die Kritik eines namhaften Philosophen an dem Kantischen Beispiel referieren. Im zweiten Teil werde ich dann darzulegen versuchen, dass diese Kritik nicht stichhaltig ist und dass Kants Begriff der „Erfahrung“, den er im Zusammenhang mit dem „Galgen“-Beispiel verwendet, missverstanden wird, wenn dieser Begriff als „empirische“ Erfahrung ausgelegt wird. Dieses Missverständnis lässt sich, so meine These, nur vermeiden, wenn man auch in der praktischen Philosophie den für Kant insgesamt so wichtigen Unterschied von Denken und Erkennen berücksichtigt. Im dritten Teil, in dem ich meine Ergebnisse kurz zusammenfasse, versuche ich dann noch anzudeuten, dass die Beachtung dieses Unterschiedes sich auch mit Kants „Weltbegriff“ der Philosophie in Verbindung bringen lässt.