XI KANT KONGRESS, XI Congresso Kantiano Internazionale

Wechselseitigkeit – Organisation – Teleologie: Die Bestimmungsstücke und die Einheit von Kants Organismusbegriff

Georg Toepfer

Edificio: Palazzo dei Congressi
Sala: Conference Room
Data: 26 maggio 2010 - 14:30
Ultima modifica: 13 aprile 2010

Abstract

Wechselseitigkeit, Organisation und Teleologie stellen drei Konzepte der zeitgenössischen Diskussion um die methodischen Grundlagen der sich konstituierenden Biologie dar, die Kant in seinem Organismusbegriff zusammenführt. Wenig bekannt sind die spezifischen Anregungen im Hinblick auf die Interpretation des grundlegenden Begriffs der Wechselseitigkeit für eine methodische Auszeichnung biologischer Gegenstände, die Kant aus Einführungstexten in die Physiologie und Botanik aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erhält, insbesondere aus den Schriften Herman Boerhaaves. Mit dem Modell der kausalen Wechselseitigkeit oder zyklischen Erzeugung und Abhängigkeit von Teilen in einem Ganzen gibt Kant der Teleologie eine naturalistische Deutung und erzielt gleichzeitig ihre Verankerung in einem der zentralen Begriffe der Biologie. Diese Verankerung und auch die Unterscheidung von kausal-bestimmender Erklärung und teleologisch-reflektierender Beurteilung erweist sich bis in die Gegenwart als furchtbar, weil sie eine Rechtfertigung und Explikation für die ebenso verbreitete wie umstrittene funktionale Sprache in der Biologie gibt und weil sie eine methodisch differenzierte Beschreibung von Organismen ermöglicht: einerseits als in die kausalen Prozesse der Natur integrierte physikalische Stoffgemische und andererseits als selbstbezügliche biologische Systeme, die die Einheit und Identität ihrer funktionalen Organisation über einen Stoff- und Formwechsel hinweg erhalten.