XI KANT KONGRESS, XI Congresso Kantiano Internazionale

Organisierte Wesen, das Übersinnliche und die Teufel. Zum Zusammenhang von reflektierender Urteilskraft und Vernunft in der "Kritik der Urteilskraft"

Heiner Klemme

Edificio: Facoltà di Agraria
Sala: sala Hume
Data: 23 maggio 2010 - 14:30
Ultima modifica: 12 aprile 2010

Abstract

Der Vortrag beschäftigt sich mit dem zweiten Teil der "Kritik der Urteilskraft" und versucht eine Antwort auf die Frage nach dem Verhältnis von reflektierender Urteilskraft und praktischer Vernunft bei der Bestimmung der inneren Zweckmäßigkeit organisierter Wesen zu geben. Die reine Vernunft wird praktisch, indem sie unseren Willen zweckmäßig zum Handeln bestimmt; aber dieselbe Vernunft kann auch theoretisch gebraucht werden, indem sie die reflektierende Urteilskraft anweist, die aus der Perspektive des Verstandes als zufällig in der Natur existierenden Formen so zu beurteilen, als ob sie nach der Kausalität der Endursachen geschaffen worden wären. Der Schlüssel zum Verständnis der Vereinbarkeit von Naturmechanik und Naturteleologie liegt Kants Verständnis nach im Begriff des „Übersinnlichen“. Weil wir auf den Begriff des Übersinnlichen durch den Begriff der Freiheit und den mit ihm verbundenen praktischen Gesetzen geführt werden, können Wesen, die nicht über reine praktische Vernunft verfügen, auch nicht erkennen, wie die beiden Typen der Kausalität in einem höheren Prinzip vereint gedacht werden können. Verfügten wir Menschen wie (nach Kants Beispiel im „Gemeinspruch“) die Teufel nur über instrumentelle Vernunft, wären wir wie diese Ignoranten des Übersinnlichen und Liebhaber des Chaos. Wir würden uns nicht als „vernünftige“ sondern als vernunftlose „Naturwesen“ begreifen und uns mit einer Rationalität bescheiden, für die es nach den Gesetzen des Naturmechanismus keinen prinzipiellen Unterschied zwischen einer toten und einer lebendigen Made gibt.