XI KANT KONGRESS, XI Congresso Kantiano Internazionale

Reiner und empirischer Charakter. Kritische Überlegungen zur Kantischen Philosophie

Marc Roelli

Edificio: Facoltà di Agraria
Sala: sala Locke
Data: 26 maggio 2010 - 14:30
Ultima modifica: 13 aprile 2010

Abstract

Der Grundbegriff des zweiten Teils der Anthropologie in pragmatischer Hinsicht ist der Begriff des Charakters. Kant führt den Begriff mit einer ambivalenten Semantik ein. Einerseits ist von dem „reinen Charakter“ der Person die Rede. Diesen Begriff erläutert Kant nicht im Kontext der Anthropologie, sondern in der praktischen Philosophie. Innerhalb der Anthropologie wird er vorausgesetzt. Andererseits behandelt Kant ausführlich den „empirischen Charakter“ – indem er die Verschiedenheiten der menschlichen Identität (als Volk, Rasse, Geschlecht, Temperament etc.) diskutiert. In dem hier angekündigten und skizzierten Vortrag wird es darum gehen, das Verhältnis zwischen (empirischem) Charakter und Person genauer zu fassen. Inwiefern ist die Personalität (aber auch die Gattung) ein systematischer und organisierender Faktor in der anthropologischen Charakterlehre? Was ist von dem Einwurf gegen Kant zu halten, der von Seiten des „Postcolonialism“ erhoben wird, dass nämlich die Aufstellung eines reinen Charakters untrennbar verbunden ist mit einer entwicklungslogisch bestimmten Rangordnung der empirischen Charakterdifferenzen? Sind Kants Verirrungen auf dem Gebiet der Rassenlehre oder der Geschlechterdifferenz auf die systematische Philosophie bzw. das Konzept der Person bezogen? Es ist die zentrale These des vorliegenden Beitrags, dass die genannten Fragen auf der Grundlage der von Kant entwickelten Charakteristik diskutiert werden müssen.